Bowling-Info
1909 war für das Schieben
auf zehn Kegeln in Europa ein historisch wichtiges Jahr. Bruno Soderstrom
(1881-1969), der durch seine Medaillen bei den Olympischen Spielen in
den Jahren 1906 und 1908 eine Heldenfigur in Schweden wurde, gewann einige
stockholmsche Kapitalanleger für den Aufbau von amerikanischen Kegelbahnen.
In demselben Jahr wurden zwei Bahnen dieser Art im Keller eines Gebäudes
in der Rue de Sankt-Petersburg in Paris und auch 12 Bahnen für die
"Weisse Stadt"- Ausstellung in London gebaut. Das Experiment
scheiterte in Paris. In London wurden 1910 die Bahnen von der "Weissen
Stadt" zum Picadilly Gebiet verlegt. Dies blieb jedoch auch erfolglos.
Man hat nicht ermitteln können, wer das amerikanische Kegelspiel "erfunden" hat. Die beliebteste Geschichte lautet, dass 1841 die Legislativbehörden in drei amerikanischen Bundesstaaten «das Kegeln mit neun oder weniger Kegeln» verboten haben (frühere Formen des Spieles wurden ja zu verschiedenen Zeiten in Europa wegen Wetten, Trinkgelagen und Pöbeleien verboten). Ein scharfsinniger Mensch hat das Gesetz umgangen, indem er einen zehnten Kegel hinzusetzte. Henrik Hudson, der holländische Entdecker des Manhattan Gebiets der heutigen Stadt New York, soll das europäische Neun-Kegelspiel als Unterhaltung für seine Seemänner mitgebracht haben. Die Holländer haben vielleicht auch mit zehn Kegeln gespielt. Niemand weiß es genau, obgleich es im 18. Jahrhundert eine große holländische Einwanderung in das Ipswich Gebiet von England gab. Die Engländer folgten den Holländern nach Amerika und brachten ihre Rasenkugelspiele mit. Ein Gebiet im unteren Manhattan ist heute noch als «Bowling Green» (Kugelspiel-Rasen) bekannt. Obwohl das Bowls-Spiel keine Kegel verwendet, ist es im Prinzip eine Form des Kegelns, denn man rollt die Kugel so gut wie möglich auf einen anderen Gegenstand oder auf eine Zielkugel. Dieses Spiel ist in Kanada, Australien und in den USA bekannt. Ähnliche Spiele sind "Boccia" in Italien, "pétanque" in Frankreich und «kas bols» in Belgien. In den USA verdankt das Kegeln seinen Ursprung den großen Wellen deutscher Einwanderer in den Jahren zwischen 1840 und 1890. Diese Leute kamen zum größten Teil aus ländlichen Gebieten, wo das Schieben von Holzkugeln auf grobe Holzkegel eine einfache und wohlfeile Ablenkung darstellte. Fast überall, von Bremerhafen bis Wiesbaden, von Prag bis Stuttgart, stellte man neun Kegel in einem Quadrat auf. Eine der vier Ecken richtete sich auf die kugelschiebende Person. Dieser Sport kam als erste Kegelart nach New York, wo im Jahr 1880 geschrieben wurde, dass man "das Geräusch der krachenden Kegel auf fast jeder Strassenecke im Bowery Gebiet bis nach Herald Square (Platz) hören konnte". Andere Städte empfingen zahlreiche
deutschsprachige Einwanderer - Milwaukee, Buffalo, Cincinnati, Chicago
und St. Louis. Mit neuen Reisemöglichkeiten waren Rivalitäten
eine natürliche Entwicklung in vielen Sportarten. Beim Kegelspiel
war ein Mangel an einheitlichen Regeln und Zubehörvorschriften festzustellen.
Die Breite und Länge der Kegelbahn war von Stadt zu Stadt und sogar
innerhalb einer Stadt sehr unterschiedlich. Oft diktierte das vorhandene
Gebäude die jeweilige Größe und Länge einer Kegelbahn.
Es gab keine Versuche, die Größe einer Kugel zu regeln. Infolgedessen
war es fast unmöglich, eine Vergleichsbasis für Fähigkeiten
zu setzen oder Durchschnittswerte bei Wettbewerben zwischen Städten
zu ermitteln. |
||||||
Das amerikanische Kegeln gilt als Sport mit
den meisten aktiven Anhängern der Welt. Man hat nie festgestellt,
ob mehr Menschen an organisierten Fussballturnieren teilnehmen. Es steht
jedenfalls fest, dass rund 10 Millionen Männer, Frauen und Jugendliche
in den von dem American Bowling Congress, dem "Women's International
Bowling Congress" (Internationaler Bowling-Kongress für Frauen)
und der "Young American Bowling Alliance" (Bund junger Amerikanischer
Kegler) genehmigten Ligen kegeln. Diese Vereine wirken als Vorschriftsinstanzen
für das Bowling in den USA, Kanada, in den amerikanischen Kasernen
und in manchen Gebieten wie Puerto Rico und Guam. |
![]() |
|||||
|
Ursprünglich bestanden die Mannschaften fast immer aus fünf Männern oder fünf Frauen. Heute sind etwa 70% der vom ABC und WIBC genehmigten Ligen gemischt, d.h. Mannschaften mit Männern und Frauen. Oft spielen zwei von jedem Geschlecht, manchmal auch drei und zwei, um die traditionelle Fünfergruppe zu bilden. Das Ligaspiel beginnt normalerweise Ende August oder anfangs September. Jede Mannschaft spielt drei oder vier Mal in der Saison gegen jede andere Mannschaft in der Liga, je nach der Zahl der teilnehmenden Teams. Die Saison dauert meistens bis Mai, was also 30 bis 35 Spielwochen ergibt. Jugendliche von 14 bis 18 Jahren und auch jüngere Schüler haben ihre eigenen Ligen. Die Spielzeit beträgt hier 20 bis 25 Wochen. Einst sah man die Amerikaner als
'Profis' an, denn sie bowlten für Geldpreise. Diese Ansicht hat sich
weltweit geändert, da es sich erwiesen hat, dass eine kleine wöchentliche
Anzahlung in den Preisfonds der Liga den Spaß und die Konkurrenz
auch für den Amateur steigert. |
||||||
![]() Anonymus: Internationales Bowling-Turnier Milwaukee 1905, Farblithographie |
||||||
Für das Bowling werden in den Vereinigten Staaten einige Milliarden Dollar ausgegeben. Etwa 70 Millionen Amerikaner spielen mindestens ein bis zwei Mal im Jahr Bowling (davon fast 10 Millionen regelmäßig in Ligen, die 30 oder 35 Wochen im Jahr spielen). Es gibt 8500 Bowling-Zentren, deren Bauwert um etwa $ 700 Millionen liegt. Die meisten Bowlingzentren haben mindestens 24 Bowlingbahnen, obgleich es noch historische Stätten und Vereine mit zwei oder vier Bahnen gibt. Die zwei größten Zentren haben 112 und 106 Bahnen. Viele andere haben 70 bis 100. Die Automatisierung hat die amerikanische Bowlingindustrie angeblich gerettet. Bis 1951 stellte man die Pins mit der Hand auf. Sie hießen 'pinboys' (Kegeljungen) und kamen oft aus der unteren gesellschaftlichen Schicht. Sie waren jedoch selten zuverlässig, denn eine Nacht kamen sie und eine andere eben nicht. Tatsächlich kann der menschliche Kegeljunge die Kegel schneller als die Maschine aufstellen. Dieses Tempo kann er aber nur einige Stunden durchhalten. Die Maschine dagegen kann, wenn nötig, 24 Stunden kontinuierlich durchhalten. Die Turniere erregen großes Interesse in den USA. Manche Bowler reisen sehr weit, oft über den ganzen Kontinent, um ihre Fähigkeiten gegen andere zu erproben. Die jährlichen Nationalmeisterschaften des Internationalen Bowling-Kongresses für Frauen ziehen um die zwölftausend Fünfermannschaften in einem Jahr an, wovon manche Spielerinnen sogar aus Japan kommen. |
||||||
|
||||||
Situation in Österreich In Wien gibt es derzeit ca. 850 Profi-Spieler, in Oberösterreich 95, in Salzburg 106 und in Tirol 49, mit einer deutlich steigenden Tendenz. In Wien sind derzeit ca. 600 Hallen- und Betriebsligaspieler und dazu etwa 20.000 regelmäßig trainierende Hobbybowler zu verzeichnen. In Oberösterreich gibt es derzeit etwa 50 Hallenligaspieler. Der Bowlingsport erfreut sich auch in Österreich einer steigenden Beliebtheit. Dies ist vor allem den Aktionen der Bowlinghallen sowie amerikanischen Werbe- und Spielfilmen und zunehmend auch deutschen Ausstrahlungen zu verdanken.
|
||||||
| * Zum Öffnen von "PDF-Files"
ist der Adobe Acrobat Reader erforderlich (Gratis). |
||||||
| © 2003 Tornado Bowling | |